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Gleichschaltung
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Gleichschaltung bezeichnet die erzwungene Eingliederung aller sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen KrÀfte in die einheitliche Organisation einer Diktatur, die sie ideologisch vereinnahmt und kontrolliert. Seit den 1930er Jahren bezeichnet das Wort den Prozess der Abschaffung des Föderalismus und der Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens in der Machteroberungsphase der Zeit des Nationalsozialismus. Ziel war es, bis 1934 den als Zerrissenheit verstandenen Pluralismus in Staat und Gesellschaft aufzuheben. Gleichschaltung zÀhlt zu den Formen des autoritÀren Korporatismus.
Contents
âą Definition
âą Etymologie
âą Anwendung
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Definition
Mit der Gleichschaltung strebte man an, alle Bereiche von Politik, Gesellschaft und Kultur gemÀà den nationalsozialistischen Vorstellungen zu reorganisieren. Dies hatte die Eingliederung vieler bestehender Organisationen in die NS-VerbĂ€nde zur Folge. FĂŒr Organisationen und Institutionen, deren Existenz nicht infrage gestellt wurde, âbedeutete Gleichschaltung im Wesentlichen dreierlei: Beseitigung demokratischer Strukturen zugunsten des âFĂŒhrerprinzipsâ, Implementierung antisemitischer GrundsĂ€tze, indem Juden aus leitenden Positionen entfernt oder gĂ€nzlich aus der Organisation verstoĂen wurden, sowie ein vollstĂ€ndiger oder partieller FĂŒhrungswechsel zugunsten von AnhĂ€ngern des neuen Regimes.âcite-ref-1[1] Die politische Willensbildung erfolgte schlieĂlich allein durch den FĂŒhrer Adolf Hitler, dessen Wille nach nationalsozialistischer Ansicht allein den wahren Volkswillen verkörperte. Entweder erfolgte die Gleichschaltung auf Anweisung oder in vorauseilendem Gehorsam (sogenannte Selbstgleichschaltung, z. B. Deutscher Hochschulverband, Deutscher Richterbund etc.). Andere VerbĂ€nde und Organisationen reagierten auf den Druck mit der ersatzlosen Selbstauflösung und Beendigung ihrer TĂ€tigkeit.
GrundsĂ€tzlich war damit die EinschrĂ€nkung oder der Verlust der individuellen Persönlichkeit beziehungsweise der UnabhĂ€ngigkeit, MĂŒndigkeit und Freiheit eines Menschen durch Regeln und Gesetze sowie sonstige MaĂnahmen der Gleichsetzung und Vereinheitlichung der Massen verbunden.cite-ref-2[2] In diesem Sinne wurde der Begriff spĂ€ter auch auf andere historische Konstellationen angewendet.
Etymologie
Die Bezeichnung Gleichschaltung stammt ursprĂŒnglich aus dem Bereich der Elektrotechnik.cite-ref-schmitz-berning-277-3-0[3] 1908 verwendete Hans Wegele im Lehrbuch des Tiefbaues den Begriff fĂŒr eine Betriebsart der Eisenbahn-Kreuzungsweiche, bei der bestimmte Bauteile in gleicher Richtung bewegt werden â im Gegensatz zur dort sogenannten Kreuzschaltung, bei der sich die Bauteile gegeneinander bewegen.cite-ref-4[4] In Fachzeitschriften dieser Zeit, darunter Annalen der Physik von 1914cite-ref-5[5] und ETZ (Elektrotechnische Zeitschrift), wurde der Ausdruck hauptsĂ€chlich im elektrotechnischen Zusammenhang als Pendant zur Gegenschaltung gebraucht.cite-ref-6[6]
Erste politische Verwendung in der Weimarer Republik
Im Zuge der Erzbergerschen Reform entwickelte sich der Streit um die Fortentwicklung des Reich-LĂ€nder-VerhĂ€ltnisses zu einem verfassungspolitischen Dauerthema in der Weimarer Republik.cite-ref-7[7] Der Begriff Gleichschaltung wurde in diesem Zusammenhang bereits von verschiedenen Seiten sinngleich der Begriffe Vereinheitlichung, Zentralisierung, Unitarisierung etc. verwendet. Laut Angaben von Hans Frank soll Franz GĂŒrtner (Bayerische Mittelpartei), Reichsjustizminister bereits im Kabinett Papen und im Kabinett Schleicher, den Begriff aus dem Fachwortschatz der Elektrotechnik bei der Formulierung des Gesetzes zur Gleichschaltung der LĂ€nder mit dem Reich in die Politik ĂŒbertragen haben.cite-ref-schmitz-berning-277-3-1[3]
Gesetzliche und politische Verwendung im Nationalsozialismus
Erstmalige gesetzliche Verwendung erfuhr der Begriff am 31. MĂ€rz 1933. An diesem Tag trat das sogenannte erste Gleichschaltungsgesetz in Kraft, mit dem die Entstaatlichung der deutschen LĂ€nder eingeleitet wurde. Mit diesem Gesetz wurde der Begriff vor allem zu einem Synonym fĂŒr die MaĂnahmen der nationalsozialistischen FĂŒhrung gegen Opposition, andere Parteien, Vereine usw. âGleichschaltungâ bezeichnet somit nicht nur die administrativen MaĂnahmen, sondern steht auch fĂŒr den damit verbundenen Terror.
Der Begriff Gleichschaltung findet sich im nationalsozialistischen Sprachgebrauch vornehmlich in den Jahren 1933 und 1934. Eine Belebung lĂ€sst sich fĂŒr das Jahr 1938 nachweisen, als nach dem Anschluss Ăsterreichs der dortige Staat nationalsozialistisch durchdrungen und Juden aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Leben verdrĂ€ngt wurden.cite-ref-8[8]
Wichtige Schritte der Gleichschaltung
Ausgangspunkt waren die zwei Gleichschaltungsgesetze: Mit dem VorlĂ€ufigen Gesetz zur Gleichschaltung der LĂ€nder mit dem Reich vom 31. MĂ€rz 1933 und dem Zweiten Gesetz zur Gleichschaltung der LĂ€nder mit dem Reich vom 7. April 1933 wurden die LĂ€nder ihrer politischen SelbstĂ€ndigkeit beraubt. Das Gesetz vom 31. MĂ€rz ermĂ€chtigte die Landesregierungen, selber Gesetze zu erlassen, auch solche, die gegen die jeweilige Landesverfassung verstieĂen. Die Landtage, die BĂŒrgerschaften, die Kreistage und die GemeinderĂ€te wurden aufgelöst und entsprechend den MehrheitsverhĂ€ltnissen der Reichstagswahl MĂ€rz 1933 im jeweiligen Land neu zusammengesetzt, wobei die Mandate der KPD verfielen. Dies ermöglichte zahlreichen Mitgliedern der NSDAP deutliche KarrieresprĂŒnge. Das Gesetz vom 7. April installierte in allen LĂ€ndern Reichsstatthalter mit diktatorischen Befugnissen. Sie waren den Landesregierungen ĂŒbergeordnet und konnten deren Mitglieder und alle höheren Beamten und Richter entlassen. Sie ĂŒbernahmen auch Gesetzgebungskompetenz der Landesregierungen, die diese kurz zuvor erhalten hatten. Das Amt des StaatsprĂ€sidenten, das es in Baden und WĂŒrttemberg gab, wurde abgeschafft. Die Funktion der Landtage wurde weiter reduziert, MisstrauensantrĂ€ge waren nicht mehr möglich. Beide Gesetze stellten laut dem Historiker Kurt PĂ€tzold einen âjuristisch getarnten Staatsstreichâ gegen die Regierungen der sĂŒddeutschen LĂ€nder und der HansestĂ€dte dar.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Einzig in PreuĂen wurde kein Reichsstatthalter eingesetzt. Hier hatte der PreuĂenschlag bereits am 20. Juli 1932 die SelbststĂ€ndigkeit gegenĂŒber dem Reich beseitigt. Insofern war er, wie der Historiker Jörg Echternkamp schreibt, âVorreiter dieser âGleichschaltungâ der LĂ€nderâ.cite-ref-echternkamp15-11-0[11]
Mit dem Gesetz ĂŒber den Neuaufbau des Reichs vom 30. Januar 1934 wurde der Entzug der Hoheitsrechte der LĂ€nder vollendet. Im Februar 1934 wurde schlieĂlich auch der Reichsrat abgeschafft.cite-ref-echternkamp15-11-1[11]
Auch die Regelung der deutschen Staatsangehörigkeit, die bis dahin LĂ€ndersache gewesen war, wurde jetzt Angelegenheit des Zentralstaats: âEs gibt nur noch eine deutsche Staatsangehörigkeit (Reichsangehörigkeit)â, hieĂ es in der Verordnung vom 5. Februar 1934.cite-ref-12[12] Dadurch wurde die Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit vereinheitlicht. Nach Dieter Gosewinkel mĂŒndete die âZentralisierung der Staatsangehörigkeitspolitikâ in einer âGleichschaltung der Staatsangehörigkeitâ, indem die LĂ€nderstaatsangehörigkeiten âvon der zentralisierenden Diktatur des nationalsozialistischen Staates beseitigt [âŠ] fĂŒr eine einheitliche, durchgreifende Ănderung des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts im Dienste der rasseideologischen Zielsetzungen des Regimesâ wurden.cite-ref-13[13]
Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 sorgte fĂŒr die Gleichschaltung des öffentlichen Dienstes.cite-ref-14[14] Am 14. Juli 1933 wurde mit dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien die NSDAP zur einzigen politischen Partei in Deutschland erklĂ€rt. Mit dem Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933 war der Einparteienstaat errichtet, die âNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die TrĂ€gerin des deutschen Staatsgedankens und mit dem Staat unlöslich verbundenâ. Um ihrer Machtposition Ausdruck zu verleihen, avancierte sie zur Körperschaft des öffentlichen Rechts mit eigenem Disziplinarrecht.cite-ref-15[15] Die gesetzlich verankerte âGleichschaltung von Partei und Staatâ wurde durch die nationalsozialistische Rechtsprechung gewĂŒrdigt: In der Frage nach der politischen Macht und der obrigkeitlichen Gewalt sei die NSDAP neben den Staat getreten, so dass dieser keine Monopolstellung mehr eingenommen habe.
Die Anpassung der UniversitĂ€ten an das NS-Regime erfolgte weitgehend im Wege der Selbstgleichschaltung.cite-ref-16[16] Bereits am 3. MĂ€rz 1933 hatten 300 Hochschullehrer eine ErklĂ€rung unterzeichnet, die dazu aufrief, bei den Reichstagswahlen fĂŒr Hitler und die Nationalsozialisten zu stimmen. Im April und im Mai passte sich nach einigem Widerstand der Vorstand des Deutschen Hochschulverbandes, die Standesorganisation der Professorenschaft, an. JĂŒdische Professoren verloren ihre Ămter und ihre Lehrbefugnis. Aufsehen erregte die Antrittsrede des neuen Rektors der Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg Martin Heidegger am 27. Mai 1933. Auf die Verfemung seines akademischen Lehrers Edmund Husserl, dem aufgrund seiner jĂŒdischen Herkunft im April 1933 jegliche LehrtĂ€tigkeit untersagt worden war, ging er nicht ein, vielmehr bekannte er sich rĂŒckhaltlos zum Nationalsozialismus:
Am 11. November 1933 folgte ein Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler, das von etwa 900 Hochschullehrern unterzeichnet wurde.cite-ref-17[17] Am 1. Mai 1934 wurde ein Reichsministerium fĂŒr Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung errichtet, dem auch die UniversitĂ€ten unterstanden â bis dahin war Bildung in Deutschland LĂ€ndersache. Im April 1935 schlieĂlich erging eine neue Hochschulverfassung, die die akademische Selbstverwaltung weitgehend abschaffte und den Rektor als âFĂŒhrer der Hochschuleâ bestimmte. Er war dem Reichsministerium verantwortlich. Reichswissenschaftsminister Bernhard Rust ernannte die Leiter sowohl des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) als auch des Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbundes (NSDDB), die beide der NSDAP angegliedert waren und garantierten, dass Forschung und Lehre den politisch-ideologischen Vorgaben der Partei folgten.cite-ref-18[18]
AuĂerdem wurde das Amt des ReichsprĂ€sidenten mit dem des Reichskanzlers in der Person von Adolf Hitler verschmolzen.cite-ref-19[19]
Eine weitere bedeutende MaĂnahme der Gleichschaltung war die Beseitigung der pluralen Gesellschaft mit der Auflösung der Gewerkschaften in die Deutsche Arbeitsfront und der Zwangsvereinigung der AgrarverbĂ€nde in den ReichsnĂ€hrstand. Zunehmend kontrollierte das Regime das Wirtschaftsleben.cite-ref-20[20] Mit der Ernennung von Joseph Goebbels zum Reichsminister fĂŒr VolksaufklĂ€rung und Propaganda am 13. MĂ€rz 1933 wurde zudem mit der Errichtung der Reichskulturkammer die Gleichschaltung des kulturellen Lebens begonnen.
Rechtsgrundlage fĂŒr diese MaĂnahmen war das ErmĂ€chtigungsgesetz vom 24. MĂ€rz 1933cite-ref-21[21], das Hitler gesetzgeberische und vertragliche Vollmachten verschaffte, die er dann zur weiteren Beseitigung des Pluralismus und der Demokratie einsetzte. Auf die Gleichschaltung reagierten die betroffenen Vereine und Organisationen oftmals nachgiebig, um einem Verbot und der Auflösung zu entgehen. Beispiele dafĂŒr sind der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbundcite-ref-22[22] und die Organisationen der Arbeiterkultur. Der GroĂdeutsche Bund, ein Zusammenschluss von Pfadfinder- und anderen JugendbĂŒnden vom MĂ€rz 1933, wurde bereits am 17. Juni 1933, am ersten Funktionstag des JugendfĂŒhrers des Deutschen Reiches Baldur von Schirach, samt seiner MitgliedsbĂŒnde aufgelöst.
Anwendung
Mit der Gleichschaltung wurden auch an sich unpolitische Bereiche, z. B. die im ADAC organisierten Kraftfahrer im gleichgeschalteten Nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps (NSKK), erfasst und ideologisch beeinflusst. Andere Beispiele sind der âStahlhelm, Bund der Frontsoldatenâ, der 1934 gleichgeschaltet wurde, sowie die Studentenverbindungen, die entweder aufgelöst oder als sogenannte Kameradschaften dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) angegliedert wurden.
In Vereinen wurde das FĂŒhrerprinzip Mitte des Jahres 1933 umgesetzt, was sich formal darin Ă€uĂerte, dass der Vorsitzende des Vereins âentsprechend der Gleichschaltung neugewĂ€hltâ wurde. Seine Vertreter ernannte er dann selbst, was âder Genehmigung der höheren Stellen unterlagâ. Danach nannte er sich nicht mehr âVorsitzenderâ, sondern âFĂŒhrerâ.cite-ref-23[23]
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Gleichschaltung der Massenmedien, insbesondere der Zeitungen und Zeitschriften, und die Aufhebung der Pressefreiheit. WĂ€hrend den Zeitungen vorgeworfen wurde, dass sie sich schon unmittelbar nach der MachtĂŒbernahme freiwillig vollkommen den Zielen des Nationalsozialismus untergeordnet hĂ€tten,cite-ref-24[24] wurde die Rolle der Presse mit dem Schriftleitergesetz vom Oktober 1933 auch formal neu geregelt.
Weiterhin vergab die Reichsschrifttumskammer das âRecht zur weiteren BerufsausĂŒbungâ an Schriftsteller, wobei âNichtarierâ ab 1934 konsequent ausgeschlossen wurden. Literatur wurde unter bestimmte Themenvorgaben gestellt, wie z. B. Blut-und-Boden-Ideologie, Krieg und soldatisches Heldentum sowie Volksgemeinschaft. BĂŒcher, die diesen Vorgaben nicht entsprachen, wurden aus den Bibliotheken entfernt; am 10. Mai 1933 wurden in einer âAktion wider den undeutschen Geistâ der Deutschen Studentenschaft zehntausende BĂŒcher öffentlich verbrannt.
Weitere Beispiele fĂŒr die Durchdringung der Gesellschaft sind
âą die Hitler-Jugend (HJ), die als einzige anerkannte Jugendorganisation agieren durfte;
âą der ihr untergliederte Bund Deutscher MĂ€del (BDM);
âą die Organisation Kraft durch Freude;
Gleichschaltung bedeutete hier nicht nur den Ausschluss von Sozialisten und jĂŒdischen Sportorganisationen aus der neu formierten Sportbewegung, sondern auch einen Neuzuschnitt der neuen Sportorganisationen: Waren bisher die Untergliederungen historisch gewachsen (der Westdeutsche Spielverband reichte im Osten bis in den Harz, im SĂŒden bis nach Fulda), so erhielten sie nun denselben Zuschnitt wie die Gebietskörperschaften und 1938 mit dem Status der von der NSDAP betreuten Organisation den Zuschnitt der NSDAP-Gaue.cite-ref-25[25]
Siehe auch
: Kategorie: Nebenorganisation der NSDAP
Problematik der Verwendung des Begriffs
Wie fast alle Begriffe der Sprache des Nationalsozialismus ist auch der der Gleichschaltung in seiner Verwendung Ă€uĂerst problematisch. Imanuel Geiss bezeichnet ihn als âverharmlosende Umschreibung fĂŒr die faktische Unterwerfung aller Organe und relevanten Gruppen unter die NS-Herrschaftâ.cite-ref-26[26]
Siehe auch
:
Die deutsche Sprache im Nationalsozialismus
Verwendung des Begriffs nach 1945
Nach 1945 wurde der Begriff Gleichschaltung aufgegriffen und jeweils pejorativ verwendet, um zum Ausdruck zu bringen, dass diverse PhĂ€nomene mit Druck auf eine einheitliche Linie gebracht werden.cite-ref-27[27] Insbesondere auch in der wissenschaftlichen Literatur ĂŒber die Zeit des Ost-West-Konflikts zeigt sich der Begriff in verschiedentlicher Verwendung.cite-ref-st-ver-28-0[28]cite-ref-29[29] So wird etwa der Prozess der Umwandlung der demokratischen Parteien in Blockparteiencite-ref-30[30]cite-ref-31[31], der Unterstellung der Massenorganisationencite-ref-32[32], Verwaltungen, Justizcite-ref-33[33] und Medien unter die Kontrolle der Regime in der SBZ/DDR und in anderen Staaten des Ostblockscite-ref-34[34] als Gleichschaltung dieser Organisationen und Institutionen bezeichnet.
Zu Kritik kam es an Eva Herman, nachdem sie 2007 in einer Sendung des ZDF ĂŒber eine â aus ihrer Sicht â âgleichgeschaltete Presseâ gesprochen hatte, als deren Opfer sie sich sah.cite-ref-35[35] GĂŒnter Grass beklagte 2012 nach der Veröffentlichung des Israel-kritischen Gedichts Was gesagt werden muss die Reaktionen in den Medien als âeine gewisse Gleichschaltung der Meinungâ.cite-ref-36[36] Thilo Sarrazin stieĂ 2014 mit seinem medienkritischen Sachbuch Der neue Tugendterror die Debatte an, wie es heute zu Begrenzungen der Meinungsfreiheit und âfreiwilliger Gleichschaltungâ kommen könne.cite-ref-37[37]
Die Kontrolle, die Wladimir Putin ab dem Jahr 2000 zunehmend ĂŒber die Medien Russlands ausĂŒbte, wurde unter anderem von Klaus von Beyme und Ulrich Schmid als Gleichschaltung bezeichnet.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]cite-ref-quiring-41-0[41]cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]
Mit âGleichschaltungâ wurden ab 2016 auch politische VorgĂ€nge in der TĂŒrkei unter Recep Tayyip ErdoÄan kommentiert.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45] So wurden die tĂŒrkischen Print- und TV-Medien in einer vertraulichen EinschĂ€tzung des AuswĂ€rtigen Amtes aus dem Jahr 2020 als ânahezu vollstĂ€ndig gleichgeschaltetâ beschrieben.cite-ref-46[46]
Auch im Zusammenhang mit dem Chinesischen Sicherheitsgesetz fĂŒr Hongkong wird von Gleichschaltung gesprochen,cite-ref-47[47]cite-ref-48[48] unter anderem von Margarete Bausecite-ref-49[49].
Aktuelle Entwicklungen und Fragestellungen
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend
Im Zuge der zweiten Amtszeit von Donald Trump wurde in den USA damit begonnen, das Project 2025 umzusetzen.cite-ref-50[50]
In weiten Teilen der vor allem Internationalen Presse und von deutschen Politikern sowie aus der Politikwissenschaft wird zunehmend der Vorwurf einer Gleichschaltung erhoben. Einigen Berichten zufolge wird dabei auch der Vergleich mit der damals historischen Gleichschaltung wie in Deutschland nach 1933 gezogen und als zunehmend deutlicher Vorwurf gegen die herrschende Regierung Trump in den USA erhoben.cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]cite-ref-53[53]
Literatur
âą Karl Dietrich Bracher, Wolfgang Sauer, Gerhard Schulz (Hrsg.): Die nationalsozialistische Machtergreifung. Studien zur Errichtung des totalitĂ€ren Herrschaftssystems in Deutschland 1933/34. Westdeutscher Verlag, Köln [u. a.] 1960 (= Schriften des Instituts fĂŒr Politische Wissenschaft 14, ISSN 0522-9677); 3 BĂ€nde. Ullstein, Berlin u. a. 1974.
⹠Dirk Erb (Hrsg.): Gleichgeschaltet. Der Nazi-Terror gegen Gewerkschaften und BerufsverbÀnde 1930 bis 1933. Eine Dokumentation. Steidl, Göttingen 2001, ISBN 3-88243-776-6.
⹠Kurt PÀtzold: Gleichschaltung. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weià (Hrsg.): EnzyklopÀdie des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 490 f.
âą Cornelia Schmitz-Berning: Gleichschaltung. In: Dieselbe: Vokabular des Nationalsozialismus. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2007, ISBN 978-3-11-092864-8, S. 277 ff.
Weblinks
⹠VorlÀufiges Gesetz zur Gleichschaltung der LÀnder mit dem Reich auf documentArchiv.de (private Webseite)
âą Arnulf Scriba: Die Gleichschaltung 1933, Webseite des LeMO
âą Die Gleichschaltung der Medien im Dritten Reich von Guido Schorr im Online-Portal âZukunft braucht Erinnerungâ
Einzelnachweise
cite-note-11. â Michael GrĂŒttner: Brandstifter und BiedermĂ€nner. Deutschland 1933â1939. Stuttgart 2015, S. 40.
cite-note-22. â Die Gleichschaltung ist in dieser Tabelle schematisch dargestellt.
cite-note-schmitz-berning-277-33. â Cornelia Schmitz-Berning: Gleichschaltung, in: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2007, S. 277.
cite-note-44. â Hans Wegele: Eisenbahnbau. In: Karl Esselborn (Hrsg.): Lehrbuch des Tiefbaues. 3. Auflage. Erster Band: Erd-, StraĂen-, Eisenbahn- und Tunnelbau, StĂŒtz-, Futter-, Kai- und Staumauern. Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig 1908, S. 312â314 (archive.org â online fĂ€lschlich als âLehrbuch des Hochbauesâ gefĂŒhrt).
cite-note-55. â Annalen der Physik, Johann Ambrosius Barth Verlag, 1914, S. 517â521.
cite-note-66. â Annalen der Physik, Band 353, Rengersche Buchhandlung, Leipzig 1915, S. 199.
cite-note-77. â Wolfgang Benz: SĂŒddeutschland in der Weimarer Republik: Ein Beitrag zur deutschen Innenpolitik 1918â1923. Duncker & Humblot, 1970, S. 185 ff. sowie Claus-Dieter Krohn, Corinna R. Unger: Arnold Brecht 1884â1977. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2006, S. 64.
cite-note-88. â Cornelia Schmitz-Berning: Gleichschaltung, in: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2007, S. 278.
cite-note-99. â Kurt PĂ€tzold: Gleichschaltung. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann WeiĂ (Hrsg.): EnzyklopĂ€die des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 490
cite-note-1010. â Vgl. Michael Wagner-Kern, Staat und NamensĂ€nderung. Die öffentlich-rechtliche NamensĂ€nderung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2002, S. 263; Bardo Fassbender: Der offene Bundesstaat, Mohr, TĂŒbingen 2007, S. 283 f.; Gerhard Schulz, Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg 1918â1945 (= Deutsche Geschichte, Bd. 10), 2. Aufl., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982, S. 132.
cite-note-echternkamp15-1111. â Jörg Echternkamp: Das Dritte Reich. Diktatur, Volksgemeinschaft, Krieg (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 45). Oldenbourg, MĂŒnchen 2018, ISBN 3-486-75569-2, S. 15.
cite-note-1212. â Verordnung ĂŒber die deutsche Staatsangehörigkeit vom 5. Februar 1934. Im Reichsgesetzblatt, Teil I Nr. 14 vom 6. Februar 1934, S. 85, Digitalisat. In Kraft getreten am 7. Februar 1934, zitiert bei Dieter Gosewinkel: EinbĂŒrgern und AusschlieĂen. Die Nationalisierung der Staatsangehörigkeit vom Deutschen Bund bis zur Bundesrepublik Deutschland. 2. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, S. 382.
cite-note-1313. â Dieter Gosewinkel: EinbĂŒrgern und AusschlieĂen. Die Nationalisierung der Staatsangehörigkeit vom Deutschen Bund bis zur Bundesrepublik Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, S. 382.
cite-note-1414. â Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches. C.H. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 28.
cite-note-1717. â Karl Dietrich Bracher: Die Gleichschaltung der deutschen UniversitĂ€t. In: Nationalsozialismus und die deutsche UniversitĂ€t (= UniversitĂ€tstage 1966. Veröffentlichungen der Freien UniversitĂ€t Berlin). De Gruyter, Berlin 1966, S. 126â142, hier S. 132 ff.
cite-note-1818. â Johannes Leicht: NS-Regime: Wissenschaft und Forschung, Webseite des LeMO. Abgerufen am 29. November 2020.
cite-note-1919. â Das Kabinett Hitler erlieĂ am 1. August 1934 ein Gesetz ĂŒber die Zusammenlegung der beiden Ămter; dieses Gesetz trat mit dem Tod Hindenburgs in Kraft (RGBl. 1934 I, S. 747).
cite-note-2020. â Jörg Echternkamp: Das Dritte Reich. Diktatur, Volksgemeinschaft, Krieg (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 45). Oldenbourg, MĂŒnchen 2018, S. 54.
cite-note-2121. â Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. MĂ€rz 1933, in: 100(0) SchlĂŒsseldokumente zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, Bayerische Staatsbibliothek.
cite-note-2222. â Klaus Hildebrand: Das Dritte Reich (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 16, MĂŒnchen 2003, S. 9.
cite-note-2323. â Dokumentiert beispielsweise in: âGleichschaltungâ im Protokollbuch der Kameradschaft ehemaliger Soldaten Lunestedt (online) oder âGleichschaltungâ im Protokollbuch des Turnvereins Westerbeverstedt (online).
cite-note-2424. â Neue ZĂŒrcher Zeitung: Bemerkungen zum deutschen Schriftleitergesetz (Memento des Originals vom 14. Oktober 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/pressechronik1933.dpmu.de, 10. Oktober 1933.
cite-note-2525. â Arnd KrĂŒger: âHeute gehört uns Deutschland und morgen âŠ?â Das Ringen um den Sinn der Gleichschaltung im Sport in der ersten JahreshĂ€lfte 1933. In: Wolfgang Buss, Arnd KrĂŒger (Hrsg.): Sportgeschichte: Traditionspflege und Wertewandel. Festschrift zum 75. Geburtstag von Prof. Dr. Wilhelm Henze (= Schriftenreihe des NiedersĂ€chsischen Instituts fĂŒr Sportgeschichte Hoya e. V., Bd. 2). Mecke, Duderstadt 1985, S. 175â196.
cite-note-2626. â Imanuel Geiss: Geschichte griffbereit â 4. Begriffe. Die sachsystematische Dimension der Weltgeschichte, Art. Gleichschaltung, GĂŒtersloh 2002, S. 975.
cite-note-2727. â Cornelia Schmitz-Berning: Gleichschaltung, in: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2007, S. 280.
cite-note-st-ver-2828. â Vgl. Bernd Stöver, Der Kalte Krieg 1947â1991. Geschichte eines radikalen Zeitalters, Beckâsche Reihe, C.H. Beck, MĂŒnchen 2007, ISBN 3-406-55633-7, S. 49 f.
cite-note-2929. â Vgl. auch Yvan Vanden Berghe, Der Kalte Krieg 1917â1991. Aus dem NiederlĂ€nd. ĂŒbers. von Martine Westerman, Leipziger UniversitĂ€tsverlag, Leipzig 2002, ISBN 3-935693-81-8, S. 104.
cite-note-3030. â Vgl. z. B. Michael Richter, Die Ost-CDU 1948â1952: Zwischen Widerstand und Gleichschaltung, ISBN 3-7700-0899-5.
cite-note-3131. â Stefan Creuzberger, Manfred Görtemaker (Hrsg.), Gleichschaltung unter Stalin? â Die Entwicklung der Parteien im östlichen Europa 1944â1949, Paderborn [u. a.] 2002; in diesem Werk findet aber trotz des Titels keinerlei begriffsgeschichtliche Auseinandersetzung statt. Einer der Autoren setzt in seinem Artikel das Wort âGleichschaltungâ jedoch in AnfĂŒhrungszeichen.
cite-note-3232. â Vgl. Wolf Oschlies, Bundesinstitut fĂŒr ostwissenschaftliche und internationale Studien (Hrsg.), Berichte des Bundesinstituts fĂŒr Ostwissenschaftliche und Internationale Studien, Band 52: Der blockierte Transmissionsriemen â Der Kampf um die erneute Gleichschaltung der tschechoslowakischen Gewerkschaften, Köln 1969.
cite-note-3333. â Vgl. Dieter Pohl, Justiz in Brandenburg 1945â1955: Gleichschaltung und Anpassung in einer Landesjustiz, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-486-56532-X.
cite-note-3434. â Vgl. Dezsö Korbuly, Ungarns schrittweise Gleichschaltung durch die Kommunisten 1945â1948, MĂŒnchen 1970.
cite-note-3535. â Herman wehrt sich gegen Medien â mit NS-Begriffen, Spiegel Online, 28. September 2007, abgerufen am 14. Januar 2020.
cite-note-3636. â Umstrittenes Israel-Gedicht: GĂŒnter Grass beklagt âGleichschaltung der Meinungâ, Spiegel Online, 5. April 2012.
cite-note-3737. â âBuch ĂŒber Meinungsfreiheitâ. Sarrazin schreibt sich in Rage, Wirtschaftswoche, abgerufen am 5. Juni 2016.
cite-note-3838. â Klaus von Beyme: Die Russland-Kontroverse: Eine Analyse des ideologischen Konflikts zwischen Russland-Verstehern und Russland-Kritikern, Springer, 2016, ISBN 978-3-658-12031-3, S. 66.
cite-note-quiring-4141. â Manfred Quiring: Putins russische Welt: Wie der Kreml Europa spaltet, Ch. Links, 2017, ISBN 978-3-86153-941-4, S. 16 und 23.
cite-note-4242. â Jerzy MackĂłw: Autoritarismus in Mittel- und Osteuropa, Springer, 2010, ISBN 978-3-53191-615-6, S. 248.
cite-note-4343. â Russlands Medien â gleichgeschaltet demokratisch, BlĂ€tter fĂŒr deutsche und internationale Politik, Dezember 2006: âDie Berichterstattung ĂŒber das Tagwerk des Kremlchefs, ĂŒber Betriebsbesichtigungen, den Empfang auslĂ€ndischer GĂ€ste oder die Belehrung der eigenen, devot nickenden Kabinettsmitglieder nimmt in den Nachrichtensendungen mehr als 80 Prozent der Zeit in Anspruch.â
cite-note-4646. â Meinungsfreiheit in TĂŒrkei âweitgehend ausgehebeltâ. In: Der Spiegel. 30. September 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
cite-note-4747. â Peter Sturm: Gleichschaltung in Hongkong. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. August 2020, abgerufen am 19. Dezember 2021.
cite-note-5050. â "Project 2025" verĂ€ndert die USA in www.tagesschau.de vom 22. Oktober 2025
cite-note-5151. â Gleichschaltung wie 1933 in Deutschland in www.deutschlandfunk.de vom 31. Mai 2025
cite-note-5252. â Das ist Trumps Strategie der medialen Gleichschaltung in www.spiegel.de vom 18. September 2025
cite-note-5353. â Was die Rechte kann: Bei der Gleichschaltung der USA stöĂt Donald Trump auf erstaunlich wenig Widerstand. Den Eliten scheint recht, was er treibt. in www.nd-aktuell.de vom 28. August 2025